Eine Kakteenexkursion an die
Blumenriviera Ostern 2004
Alles begann bereits im Sommer 2003, als in Gesprächen der Heilbronner und Hohenloher Kakteenfreunde davon die Rede war, man müßte doch mal eine Reise zur Côte d'Azur unternehmen. Herr Horstmann und Frau Gerner von den Hohenloher Kakteenfreunden machten kurzentschlossen ernst: der Termin Ostern 2004 wurde festgelegt, verschiedene Busunternehmen zwecks Angeboten angesprochen und gemeinsam mit Herrn Adam von den Karlsruher Kakteenfreunden - ein profunder Kenner der Kakteengärten in Monaco und Umgebung - die Reiseroute festgelegt. Um so bedauerlicher war dann, daß Herr Adam aus gesundheitlichen Gründen auf die Reise verzichten mußte.

Gründonnerstag, den 8. April 2004
Unser Reisebus der Fa. Metzger aus Künzelsau sammelte die Teilnehmer früh am Morgen zwischen halb 5 und halb 7 in Ingelfingen, Öhringen, Weinsberg, Sinsheim und Bruchsal ein. Auf der A5 ging es dann zügig über Basel und Genf gen Süden. Die knapp 1000 km lange Fahrt verlief ruhig und ohne Staus, bei einer kurzen Rast in der Schweiz beobachteten wir die Schweizer Gendarmerie bei Geschwindigkeitskontrollen und während der Mittagsrast verschafften sich einige Unentwegte Bewegung und umwanderten einen Baggersee nahe der Autobahnraststätte. Weiter ging die Fahrt an der Ligurischen Küste über zahlreiche Brücken, Viadukte und durch viele Tunnel, die ersten Ausblicke auf das Mittelmeer waren vielversprechend. Das letzte Stück von der Autobahn zu unserem Hotel in Ospedaletti entbehrte nicht einer gewissen Dramatik. Ein Verkehrsverbotszeichen für Fahrzeuge über eine Länge von 6 m wahr falsch aufgestellt und unser Bus begab sich auf einer engen Straße mit vielen Serpentinen bergab zur Küste, frei nach dem Motto: zwei Meter vor, einer zurück. Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004Innerhalb kurzer Zeit nach unserer Ankunft war unser gutes Mittelklassehotel bezogen und wir saßen im Hotelrestaurant beim Abendessen beisammen. Die Stimmung war phantastisch, das glaubt wohl jeder wenn er hört, daß an einem Tisch beim Lachen der Rotwein nur so herumgeprustet wurde. Sowohl die gute Laune als auch die Tischdecke mit den Rotweinflecken blieben uns bis zum letzten Tag erhalten. Aber eigentlich war allen schon bei der Ankunft klargeworden: die Fahrt wird ein Erfolg, denn an der Ecke beim Hotel gab es ein "Cactus Cafe". Nach der anstrengenden Fahrt zog es alle in die Betten, das Nachtleben von Ospedaletti mußte ohne uns auskommen, die Abfahrt am nächsten Tag wurde schon für 8 Uhr angesetzt.

Karfreitag, den 9. April 2004
Es wurde ein Regentag vom feinsten, von früh bis abends! Unsere Reiseführerin Francesca, eine gut deutsch sprechende temperamentvolle Italienerin, kam um 8 Uhr ins Hotel, warf unser Programm für den Tag über den Haufen ("es wird ein sehr warmer sonniger Tag und im Kakteengarten erwartet man 80 Busse") und gab die Richtung vor: Fahrt gleich früh zum Jardin Exotique de Monaco (Eintrittskarten bei ihr im Bus erhältlich), dann gemeinsames Mittagessen im nahe gelegenen Restaurant (bei einem Bekannten, Essenskarten bei ihr im Bus erhältlich, sehr günstig), dann weiter zur Besichtigung des Aquariums (Eintrittskarten bei ihr im Bus erhältlich), Rundgang durchs Schloßviertel zu Fürst und Familie (wenn anwesend) und runter ins "Dorf", ins Casino von Monte Carlo (Eintrittskarten bei ihr im Bus erhältlich). Beim Rundgang durch den Jardin Exotique de Monaco "vermißte" man im Dauerregen die Menschenmassen der 80 Busse, konnte sich aber so ungestört den herrlichen Kakteen, Euphorbien, Aloen und Agaven widmen. Es war auch ziemlich kühl, aber die Pflanzen tolerierten das Klima offensichtlich ganz gut. In einem Reiseführer konnte man lesen, daß - nach Frostschäden vor einigen Jahren - die Anlage unterirdisch mit Heizröhren versehen wurde. Während einige aus der Gruppe auch einen Blick in das gut aufgebaute Antropologische Museum warfen, in dem übrigens eine kleine Sonderausstellung über das Leben der Indianer in der Atacamawüste zu sehen war, begab sich der Schreiber dieser Zeilen offenbar als Einziger im Rahmen einer Führung in das Höhlensystem tief unter die Erde. Sehr schöne Tropfsteinformationen, unterirdische Säle und Gänge zeigten sich bei angenehmen 18C von ihrer besten Seite, und regnen tat es dort unten übrigens auch nicht! Nach dem Besuch des Aquariums (es gibt schlechtere!) schauten wir uns in Monte Carlo um, Casino und Parks, Glanz und Glamour, dann ging es über die Küstenautobahn zurück nach Italien in unser kleines, vertrautes und verträumtes Ospedaletti.
Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004 Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004 Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004

Ostersonnabend, den 10. April 2004
Der Tag wartete uns mit zwei Überraschungen auf: einmal ein grandioser Sonnenschein, der uns auch den ganzen Tag lang treu blieb, zum anderen lag für jeden im Bus ein buntes Osterei. Offensichtlich gab es auch einen italienischen Osterhasen, der uns dann auch noch am Abend über die Hotelleitung ein großes und fein verpacktes Schokoladenosterei auf jeden Tisch legte. Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004 Pünktlich 9 Uhr standen wir am Tor des Giordino Esotico Pallanca in Bordighera. Neu seit kurzem: 4,50 Euro Eintritt pro Gruppenmitglied, geboten wurde dafür eine große Gartenanlage am Hang mit tollem Blick auf die ligurische Küste des Mittelmeeres. Und weiterhin: Chorisiabäume (Bombaceae, Wollfruchtgewächse) mit Früchten, bei denen sich in der Wolle sogar richtige reife Samen fanden, Drachenbäume, Bambus, Agaven, Aloen, Euphorbien, Cereen, eine schöne Sammlung von Copiapoen, mehrere Gewächshäuser mit vielen Pfropfungen usw. usf. Der Garten, 1910 gegründet, wird von einer botanischen Gesellschaft verwaltet. 3 Stunden Aufenthalt boten viel Sehenswertes und vergingen wie im Fluge. Bei der Busfahrt durch die verstopften Straßen von Ventimiglia klopfte plötzlich eine Frau von außen an die Bustür, der Fahrer öffnete und die Frau rief in den Bus: "Ihr kommt doch aus Künzelsau, meine Schwester wohnt dort!" Der Busfahrer, ein ruhiges "Nordlicht": "Kennen wir leider nicht." Die Frau: "Aber sie kennt die Fa. Metzger, ist schon mit Ihnen gefahren." Unser Fahrer: "Gut, wir grüßen sie, wenn wir zurück sind.", schloß die Tür und weiter gings. So leicht ist es, im Ausland Bekanntschaft zu machen!Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004 Unser Ziel für den Nachmittag war der Giardini Botanico Hanbury in La Mortola. In dem riesigen Park verbrachten wir mehr als 4 Stunden. Im Parkprospekt ist folgendes zu lesen: "Dem englischen Adligen Sir Thomas Hanbury, der als steinreicher Mann aus dem Fernen Osten zurückgekehrt war, erschien das kleine Kap sofort wie ein kleines Paradies: ein grüner Abhang, der in eine ins tiefblaue, ruhige Meer hinausragende Landspitze mündete, dicht bewachsen mit Olivenhainen, Agrumenpflanzungen und Weinbergen und seitlich umsäumt vom üppigen tiefgrünen Teppich der mittelländischen "Macchia". ... Besonders erwähnenswert sind die Pflanzen der australischen Wälder, die saftstrotzenden üppigen Gewächse aus verschiedenen Wüsten des Erdballs, die Arten, die den japanischen Garten bilden, Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004 die Zykadeen aus dem Fernen Osten: ein magischer Gesamteindruck aus Formen, Farben, Düften, die unsere Gedanken in ferne Länder wandern lassen, ein unglaublicher Zusammenklang überfeinerter Anpassung an das hiesige Klima. Pflanzen, die in der Natur unendlich weit voneinander vorkommen und hier in einem kleinen Fleckchen Erde einträchtig nebeneinander gedeihen: zur Augenweide und zum Studium für jene, die die Vorteile und das Wissen um die Pflanzenwelt vertiefen möchten." Ein Tag voller Sonnenschein und interessanter Eindrücke war zu Ende gegangen.

Ostersonntag, den 11. April 2004
Nomen est omen - ein sonniger Tag dieser Sonntag! Gleich nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zu Villa und Gärten Ephrussi de Rothschild auf Cap Ferrat. Die berühmte Kunstsammlerin Baronin von Rothschild ließ in 7 Jahren einen Palast erbauen, der an die großen Herrenhäuser der Renaissance Venedigs, Florenz' oder Ravennas erinnert. Die Villa wurde mit Kunstwerken aus aller Welt und aller Epochen ausgestattet. Vor der Villa erstreckt sich die Gartenanlage mit 7 Gärten: der französische, spanische, japanische und provencialische Garten, der exotische Kakteen- und der Rosengarten sowie der Steinkunstgarten. In dieser Umgebung mußte man sich einfach wohlfühlen! Weiter ging es am Nachmittag zum malerischen Bergdörfchen Eze. Es wurde einst von den Phöniziern nach der Göttin Isis benannt. Sie galt auch als Mutter der Sonne. Ob die Côte d'Azur ihr die 2640 Sonnenstunden im Jahr zu verdanken hat? Wie ein Adlerhorst thront Eze mehr als 400 m über dem Meer. Der Panoramablick über die Meeresküste ist traumhaft, die Halbinsel Cap Ferrat ist gut zu sehen. Nach der Entrichtung eines Eintrittes hatte man Zugang zum Kakteengarten oberhalb von Eze. Nach einem Spaziergang in den verwinkelten und malerischen Gassen des kleinen Bergdorfes fuhr uns unser Bus wieder zurück nach Ospedaletti, wo mehrere noch die Zeit vor der Abendfütterung überbrückten, um sich mit dem Strand des Ortes vertraut zu machen.
Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004 Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004 Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004

Ostermontag, den 12. April 2004
Leider mußte es sein: der ganze Tag war reserviert für die Heimfahrt. Bei teilweise starkem Reiseverkehr aber dennoch ohne Stau kamen wir gegen 20.30 Uhr in Weinsberg an. Eine erlebnisreiche Exkursion in Sachen Kakteen ging zu Ende, unsere beiden Busfahrer hatten uns gut gefahren. Ein besonderer Dank gebührt jedoch Frau Gerner und Herrn Horstmann von den Hohenloher Kakteenfreunden, die diese Fahrt geplant und organisiert hatten, sicher keine leichte Angelegenheit, 40 Kakteenfreunde zusammenzubringen. Aber auch die Gruppe mit ihren 40 Individuen verdient ein ganz großes Lob: angenehm und pflegeleicht, keiner versuchte die anderen warten zu lassen oder sein eigenes kleines "Süppchen" zu kochen. Und wie man hört, sind schon weitere Reisen und Ausflüge angedacht - kleine, mittlere oder große -, des großen Erfolges wegen. Schaun' wer mal!
Heilbronn/Hohenlohe im Mai 2004
Michael Schroeder

Kakteenfreunde Heilbronn, Monaco 2004
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